Christlieb Siegmund Binder wurde am 29. Juli 1723 in der Dreikönigskirche in Dresden-Neustadt getauft. Über Binders Jugend ist nichts bekannt. Wenn August III. (1696-1763) jedoch 1742 veranlaßte, daß er das Spiel des Pantaleons erlernen sollte, setzt dies eine bereits erkennbare musikalische Begabung voraus. Namensgeber und Lehrer für dieses Instrument – ein deutlich vergrößertes und verbessertes Hackbrett – war Pantaleon Hebenstreit (1668-1750), der damit als Virtuose in verschiedenen Residenzen Aufsehen erregt hatte. 1714 fand er am Dresdner Hof eine Anstellung als „Cammer-Musicus“ und übernahm dort außerdem 1729 die Leitung der evangelischen Hofkirchenmusik. Weil die Verantwortlichen das (solistische) Spiel auf diesem Instrument auch künftig nicht missen wollten, erhielten der Hoforganist Johann Christoph Richter (1700-1785) und der junge Christlieb Siegmund Binder entsprechenden Unterricht. Binder fand erstmals 1749 im sächsischen „Hof- und Staats-Calender“ als Pantaleon-Spieler Erwähnung. Daneben trat er auch als Cembalist und Komponist von Musik für Tasteninstrumente hervor.
Während des Siebenjährige Krieg (1756-1763) hatte sich Binder verstärkt dem Cembalospiel zugewandt. Nach dem Kriegsende ließ er „Sechs Trios fürs Clavecin mit Flöte oder Violine“ in Leipzig drucken und widmete sie dem damals zwölf Jahre alten Prinzen Friedrich August. Als der zweite Hoforganist Constantin Joseph Weber nach längerer Krankheit am 10. November 1764 starb, wurde Binder in dieses Amt berufen. Als später Peter August (1726-1787), erster Hoforganist sowie Lehrer und Musizierpartner des Kurfürsten, starb, rückte Binder in dessen Amt auf, starb aber selbst bereits am 1. Januar 1789.
Von Christlieb Siegmund Binder sind ausschließlich Instrumentalkompositionen erhalten oder nachweisbar. Mit Musik für solistisches Tasteninstrument, Cembalokonzerten und Kammermusik mit obligatem Cembalo zeichnen sich dabei drei Schaffensschwerpunkte ab. Jenseits der wenigen gedruckten Sammlungen verbreiteten sich Binders Kompositionen nur sporadisch in Mitteleuropa. Manche sind in den Katalogen des Leipziger Verlages Breitkopf verzeichnet; andere sind in verstreuten Abschriften erhalten geblieben. Sein Nachlaß fand unter nicht genau dokumentierten Umständen den Weg über die spätere Königliche Privat-Musikaliensammlung in die heutige Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Die erhaltenen Werke zeigen Christlieb Siegmund Binder als originellen Komponisten auf der Höhe seiner Zeit.
Aus dem Vorwort von Gerhard Poppe