Georg Philipp Telemanns Passionsoratorien stehen an der Schwelle zwischen liturgischer Tradition und aufklärerischer Neuerung. Die Studie untersucht, wie sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein verändertes Jesusbild, pietistische Frömmigkeit und opernhafte Ausdrucksmittel zu einer neuen Form der Passionsmusik verbinden. Im Zentrum stehen Telemanns fünf Passionsoratorien, deren Libretti und musikalische Gestaltung systematisch analysiert werden: Wort-Ton-Beziehungen, Formmodelle und Tonartenpläne ebenso wie ihre Einbindung in zeitgenössische politische und theologische Diskurse. Auf diese Weise erschließt die Arbeit Telemanns künstlerische Ambitionen im Spannungsfeld von Theologie und Ästhetik und zeigt ihn als reflektierten Erneuerer geistlicher Musik jenseits konfessioneller Polemik. Sie leistet damit einen Beitrag zur Geschichte des Passionsoratoriums im Zeitalter der Aufklärung.